BMW Leistungsmessungen
September 2006
Hier wurde der ursprüngliche Umbau auf
1000cm³ getestet.
- Nachdem ich nach dem 1000cm³-Umbau das
Setup einigermaßen im Griff hatte,
wurde im September 2006 eine Leistungsmessung auf einem Rollenprüfstand
durchgeführt.
- Hier die Ergebnisse und einige Interpretationen.
- Mein persönliches Fazit: ich bin zufrieden
, denn ein echtes "Tuning"
habe ich nicht angestrebt, nur eine "gut gehende" 1000er.
| |
Hinterrad |
Kurbelwelle |
| Leistung [PS] |
58 |
62 |
| Drehmoment [Nm] |
71 |
78 |
Leistung
- (Anklicken - größeres Bild.)

- 58,13 PS am Hinterrad bei ca. 7200 U/min
- interessant ist die "Lambda"-Kurve:
- ab ca. 5000 U/min ist das Gemisch überfettet (< 13), was
leistungsmäßig nicht optimal ist.
- Anmerkung: das theoretische Optimum ist ein Verhältnis von 14,7 kg
Luft zu 1 kg Kraftstoff. "Theoretisch" deswegen, weil dann zwar eine
vollständige Verbrennung erfolgt, aber in der Praxis - vor allem bei
unseren alten Motorkonstruktionen! - sich eine optimale Leistung bei
leichter Überfettung ergibt. Daher liegt wohl die rote Linie dieser
Prüfstands-Software bei ca. 13,2 zu 1.
- bei ca. 4000 etwas mager - und etwa dort ist das Drehmomentmaximum
...?
- daraus abgeleitetes Experiment: Wechsel von HD 160 auf HD 155, jedoch
leider nicht mehr auf dem Prüfstand
- Auswirkung: subjektiv geringfügig schlechtere Beschleunigung (mögliche Erklärung
siehe unten!), bei längerem Stehenlassen von
Vollgas jedoch kein Unterschied oder sogar bessere Leistung.
- weil mich aber längeres Vollgas weniger interessiert als "Durchzug" oder
"gefühlte Beschleunigung", habe ich das
Setup wieder wie
vorher eingestellt.
Anders ausgedrückt: Popometer vor Dynojet.
- siehe auch weiter unten zur Interpretation eines
Vergleichs
Drehmoment

- 7,24 kpm = 71 Nm am Hinterrad bei ca. 3600 U/min
- beim Drehmoment soll laut Aussage des Prüfstandtechnikers der Verlust
ca. 10% betragen, somit ergibt sich also ein Wert von ca. 78 Nm an der
Kupplung, was zur Werksangabe paßt
Leistung an der Kurbelwelle

- interessant ist hier der Wert rechts unten: 4 PS Verlustleistung
- somit ergibt sich eine Leistung von ca. 62 PS an der Kurbelwelle, was
ganz gut zur Werksangabe paßt
Leistung beim schnellen Durchschalten / Vmax

- interessanterweise lag die Maximalleistung im 4. und nicht im 5. Gang
an: 58,65 statt 58,12 PS
- die Interpretation ist wohl im Zusammenhang mit der
"Vollast-Überfettung" oben zu sehen:
- laut Aussage des Prüfstandtechnikers gibt es zu diesem eigenartigen,
aber oft zu beobachtenden Phänomen die Theorie "Benzin ist träger als Luft":
die Effekte der (gemäß obigem Test wohl zu fetten) Hauptdüse zeigen sich
erst mit einer gewissen Verzögerung ...
- ... und genau bis dahin ist wohl die größere HD eher förderlich als
schädlich
- aber alles in allem ist das zunächst nicht erklärbar.
- die oben beschriebene Setup-Änderung (HD kleiner) war jedoch laut
"Popometer" eher negativ, und es ist schließlich das subjektive Empfinden,
was einem Fahrspaß bereitet.
- Ich kann anderen Leuten mit mehr Zeit auf dem Prüfstand aber nur
empfehlen, ein paar Hauptdüsen mitzunehmen!
- (siehe auch abschließende Überlegungen aus einem
Vergleich)
Vergleich mit einer anderen R100GS
Die Messung erfolgte direkt hintereinander. Konfiguration der anderen R100GS:
- Siebenrock-Kolben & Zylinder (9,5:1)
- 44er Einlaßventil (das ist übrigens auch
in meiner Basic drin, ist die
einzige "echte" Abweichung zur 1000er Serie)
- Doppelzündung Q-Tech
- 320° Nockenwelle "RO 240.6"
- HPN Baja Auspuff, Sammler Serie
- 2. großer Schnorchel (den habe ich auch montiert)
- HD 160
Hier das Ergebnis.
Blau die Ergebnisse meiner Basic (hier
deren aktuelles Setup), rot die der anderen R100GS.
- Die Kurven oben sind Scans der Ausdrucke, die wir mitbekommen haben, die
PDF-Ausdrucke hier habe ich aus den Testdateien mit Hilfe der
Auswert-Software selbst zusammengestellt. Die Maximalwerte sind leicht
unterschiedlich, vielleicht weil ich "DIN" statt "SAE" als "Korrekturfaktor"
gewählt habe.
Fazit und Interpretationen:
- Leistung:
- bis ca. 5400 U/min geringer Unterschied, danach geht die Schere auf
- das Maximum liegt bei der Basic ca. 200 U/min später an
- Drehmoment:
- Maximum bei beiden um die 3600-3800 U/min, Unterschied dort ca. 1,3
Nm
- auch hier (logischerweise!) geht ab 5400 "die Schere auf", in diesem
oberen Drehzahlbereich beträgt der Maximalunterschied knapp 6 Nm.
- Interpretation:
- der Unterschied bis 5400 ist gering, ich würde das im
Wesentlichen auf die höhere Verdichtung zurückführen. Die 320er NW ist
mit ihren an sich theoretisch "schärferen" Steuerzeiten hier aber nicht
"kontraproduktiv" (interessant wäre aber mal eine Messung der
Einzeleffekte, vielleicht würde sich dann ergeben, daß ein 9,5:1 Motor
mir 308er NW untenrum noch besser geht. Just thinking!)
- ab 5400 U/min zeigt sich der Effekt der diversen
Tuningmaßnahmen. Ich würde hier v.a. die Nockenwelle sehen, aber eben
zusammen mit 9,5 und Doppelzündung.
- "Lambda" (siehe Anmerkung oben):
- die Basic schwankt stärker um den Idealwert. Besonders ab 5600 läuft
sie fetter als die andere R100GS. Ist das nun (zumindest teilweise)
ursächlich für die Leistungsunterschiede? Ich glaube nicht. Vgl. das
oben bereits beschriebene Experiment, den Volllastbereich abzumagern -
hat (subjektiv) nichts gebracht. Ich vermute, daß sich ab hier die
verbesserte Verbrennung durch die Doppelzündung zeigt. Die Basic kann
einfach das Gemisch nicht optimal verbrennen, und wenn man es abmagert,
dann "fehlt was". Also nicht Ursache für den Leistungsunterschied,
sondern Folge eines anderen Parameters.
- was noch zu prüfen wäre
:
- ab wann ist eigentlich der Gleichdruck-Kolben vollständig geöffnet?
(Meine Annahme: bei Vollgas ab ca. 3000 U/min.)
- Taucht die Düsennadel dann
noch in die Nadeldüse ein, oder ist sie vollständig rausgehoben?
- So wird sicher ermittelbar, welches Subsystem des Vergasers zu
betrachten ist.
- Stichwort Auspuff: besonders im Vergleich zu einer
Leistungskurve mit der
SR-Anlage würde ich den Effekt des HPN Baja gegenüber der Serie als eher
gering erachten. Für mich sind die bei unserer Messung festgestellten
Unterschiede hinreichend erklärbar durch die anderen Faktoren. In der
anderen Messung wird
der Effekt der SR-Anlage im direkten Vergleich zur HPN Baja sehr deutlich.
Aber Vorsicht: vielleicht war die enorme Steigerung in diesem Fall auch nur
das "Ernten der Früchte, die durch die anderen Tuning-Maßnahmen schon gesät
waren".
Im übrigen durfte ich diese schon deutlicher getunte Q auch mal auf ihren
Drehmomentberg treiben. Jenseits der 4000 ist das laut Popometer schon eine
andere Liga, darunter fühle ich mich auf meiner Q auch nicht unwohl oder
werde depressiv. Die
Konfiguration dieser Q? Fragt den Froschkönig!
- Gesamtfazit:
- Doppelzündung - jenseits der 5000er Marke generell empfehlenswert,
nicht nur gegen Klingeln. Jetzt ärgert mich doch ein wenig, daß ich die
Bohrungen bei der
Zylinderkopfüberholung nicht gleich habe mit machen lassen (auch
wenn ich nach wie vor die
Unterbringung der
Bauteile lästig finde).
- wenn man die DZ schon hat, ist eine Verdichtungserhöhung auch
problemlos möglich
- an die NW würde ich persönlich erstmal nicht herangehen, weil mich
die Dinge jenseits der 5500 weniger interessieren als die von 3-5000
- Auspuffanlage: da scheint es ja wirklich Dinge zu geben, dir grade
von 3-5000 einiges bringen. Einschränkungen s. oben.
- So, und bevor mich jemand zu heftig abwatscht: meine
Interpretationen versuchen zunächst, Einzelkausalitäten zu erklären - zu
mehr reicht mein bescheidenes Wissen nicht aus. Ich habe schon gehört,
daß effektives (und auch effizientes) Tuning natürlich genau andersrum
vorgeht, nämlich systemisch, also nach dem Prinzip "die Summe ist mehr
als die Summe der Teil-Effekte".
April 2010
| |
Hinterrad |
Kurbelwelle |
| Leistung [PS] |
65 |
(69) |
| Drehmoment [Nm] |
75 |
(83) |
(die Verlustleitung wurde diesmal nicht erneut gemessen, die Werte dafür
wurden vom letzten Mal übernommen)
- die Kurven im Vergleich mit dem Zustand zuvor: blau = aktuell, grün =
Messung 2006
Leistung und Drehmoment

- ca. 7 PS bzw. 4 Nm Zuwachs
Drehmoment und Lambda
- hier zeigt sich eine Delle bei ~4000 U/min:
- diese Delle ist im Fahrbetrieb nicht spürbar - zumindestens nicht so
deutlich
- die starke Lambda-Abmagerung ließ sich auch im
Vergaser-Setup mit Lambda-Sonde
(Setup 11)
zwar etwas reduzieren, aber nicht vollkommen eliminieren. Ursache ist
unbekannt - möglicherweise Auspuff.
- Einstellung hier war:
- HD re. 160, li. 155
- ND 2,66
- Düsennadel 4. Pos. (nicht 3., wie ich zuvor wähnte)
- LLD 42
- laut dem Prüfstands-Betreiber sei dieser Verlauf allerdings "für
Gleichdruck-Vergaser typisch" - hier würde eine Vergleichmessung eines
Motors mit SR-Anlage Klarheit schaffen (wo dann natürlich wieder andere
Dinge variieren...)

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